Achtsame Selbstführung
Achtsame Selbstführung bedeutet, das eigene Erleben bewusst wahrzunehmen und sich auch unter Belastung an den eigenen Werten orientieren zu können. Es geht um die Fähigkeit, Stress früh zu erkennen, das Nervensystem zu regulieren und Entscheidungen nicht aus automatischen Reaktionsmustern heraus zu treffen, sondern aus innerer Klarheit.
Das Konzept verbindet Achtsamkeit im Sinne Jon Kabat-Zinns – die nicht-wertende Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments – mit der Idee der Selbstführung aus der Führungspsychologie: der bewussten Steuerung des eigenen Denkens, Fühlens und Handelns.
Wesentliche Elemente sind:
- Selbstwahrnehmung – Gedanken, Emotionen, Körperempfindungen und Stresssignale differenziert wahrnehmen können.
- Regulation – mit belastenden Emotionen und Druck so umgehen, dass Handlungsfähigkeit erhalten bleibt.
- Werteorientierung – Klarheit darüber entwickeln, was wirklich wichtig ist, und Entscheidungen daran ausrichten.
- Selbstfürsorge – die eigene Belastbarkeit realistisch einschätzen, Grenzen setzen und Regeneration ernst nehmen.
- Bewusste Haltung – eine innere Haltung von Präsenz und Verantwortung entwickeln, statt im Autopilot-Modus zu reagieren.
Ziel ist nicht, unter allen Umständen zu funktionieren, sondern eine verlässliche innere Steuerung aufzubauen, die auch in Krisen trägt.
LISTE AN WEITERFÜHRENDER LITERATUR
„Achtsame Selbstführung” ist kein fest definierter Fachbegriff, sondern verbindet zwei etablierte Konzepte:
Achtsamkeit stammt aus der buddhistischen Tradition und bezeichnet die bewusste, nicht-wertende Lenkung der Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment (Kabat-Zinn, 1990).
Selbstführung kommt aus der Führungspsychologie und beschreibt den Prozess, sich selbst zielgerichtet und verantwortungsvoll zu steuern (Neck & Houghton, 2006).
Achtsamkeit
Kabat-Zinn, J. (1990). Full catastrophe living. Delacorte.
Kabat-Zinn, J. (2023). Achtsamkeit für Anfänger. Arbor Verlag.
Selbstmitgefühl
Gilbert, P. & Choden (2020). Achtsames Mitgefühl. Arbor Verlag.
Neff, K. (2012). Selbstmitgefühl. Kailash Verlag.
Selbstregulation
Stegmüller, V. (2022). Gefühle surfen. Wissen & Leben Verlag.
David, S. (2020). Emotionale Beweglichkeit. Unimedica Verlag.
Neck, C. P., & Houghton, J. D. (2006). Two decades of self-leadership theory and research. Journal of Managerial Psychology, 21(4), 270–295.
ACHTSAME SELBSTFÜHRUNG IN MEINER PRAXIS
Achtsame Selbstführung ist das Kernelement meiner therapeutischen und beraterischen Arbeit. In allen Angeboten geht es darum, effektive Selbstregulation zu entwickeln, Verantwortung für das eigene Wohlbefinden zu übernehmen und sich von alten Reaktionsmustern zu lösen – um mehr Entscheidungsfreiheit und Handlungsspielraum zu gewinnen.
Ich arbeite dabei auf vier Ebenen:
Kognitiv
Psychoedukation zu Stressentstehung, neuropsychologischen Phänomenen (z. B. Amygdala-Hijacking) und dem autonomen Nervensystem – damit Klient:innen ihr Erleben verstehen und einordnen können.
Emotional
Entwicklung einer achtsamen Selbstwahrnehmung und einer selbstmitfühlenden inneren Haltung, um auch mit schwierigen Gefühlen nachhaltig umgehen zu können.
Körperlich
Vermittlung von Embodiment-Übungen zur Regulation des Nervensystems, damit der präfrontale Kortex wieder steuerungsfähig wird und alle Ressourcen für bewusste Entscheidungen zur Verfügung stehen.
Handelnd
Aufbau eines Wertekompasses, an dem auch schwierige Entscheidungen ausgerichtet werden können.
So kommen Klient:innen von automatischen Reiz-Reaktions-Mustern zu bewussten, wertebasierten Handlungen.